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LICHT IN DER HALTUNG

Chinchillas sind hauptsächlich dämmerungsaktive Tiere. Die Aussage, daß Chinchillas ausschliesslich nachtaktive Tiere sind, ist wissenschaftlich nicht haltbar. Die Behauptung, daß Chinchillas vornehmlich in der Dunkelheit leben und deshalb kein Licht abbekommen oder kaum Tageslicht brauchen ist noch mehr verwunderlich. Hier die Sachpunkte:

TAGESLICHT ODER TAGESLICHT-LAMPE MIT ZEITSCHALTUHR ?

Licht ist das Medium des Sehens und der Seele.
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Ing. Prof. Christian Bartenbach

Die Frage taucht zunehmend wieder auf Internet Plattformen auf. Platz ist knapp, der Wunsch nach Chinchillas groß. Da reicht oft nicht mehr der ursprüngliche Liebhaber-Platz für die Chinchillas in der Hobbyhaltung. Man sucht nach Alternativen. Die sollten allerdings in die Zukunft weisen können! Die Antwort auf die o.g. Frage ist einfach: Tageslicht-Lampen mit Zeitschaltuhr sind eine alte Ersatzlösung aus Pelztierfarmen und Massentierhaltung. Je nach Interessenlage mag das für einen Halter auch heute noch empfehlenswert erscheinen. Hier auf CHINCHILLA INTERNATIONAL CI wird diese Ersatzlösung ausdrücklich nicht empfohlen. Das hat folgende Gründe:

  • Natürliches Tageslicht ist wichtig für den gesamten Stoffwechsel, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit

Vom Menschen weiss man, dass nur 10 Minuten Sonnenbestrahlung am Tag auf der Fläche der Hände über Gesundheit und stabiles Immunsystem entscheiden können. Warum sollte es bei Tieren plötzlich anders sein? Zu Chinchillas wird in echter Fachliteratur berichtet, dass sie trotz der Gefahr von Raubvögeln gerne und regelmäßig während des Tages ein "Sonnenbad" nehmen. Das geschieht offensichtlich nicht nur wegen der Wärme, denn dafür könnten sie auch mit ihren Artgenossen im Bau kuscheln. Ja, es gibt Lebewesen, die tief im Meer leben, wo es ganz dunkel ist und Fische, die im Aquarium bei künstlicher Beleuchtung überleben (wie lange genau? 20 Jahre wie Chinchillas????). Aber Chinchillas leben nicht im Wasser und sind auch keine Fische, Einzeller, etc. daher gelten für sie andere Voraussetzungen und dazu zählt das Licht.

  •  Licht und die "innere Uhr"

Und mit dem Licht wären wir auch bei dem nächsten Punkt für Gesundheit, Lebensqualität und artgerechter Haltung. Aus der Chronobiologie und Forschung wissen wir um die Bedeutung, der "inneren Uhr" für Menschen und Lebewesen, die maßgeblich vom Licht synchronisiert wird. Ein Leben in Einklang damit erhält nicht nur die Gesundheit, sondern fördert auch die Leitungsfähigkeit und Lebensqualität. Künstliche Tageslichtlampen haben immer die gleiche, statische Lichtqualität (bestenfalls eine Stufeneinstellung). Das natürliche Licht verändert sich im Laufe des Tages und über das Jahr hinweg. Es fördert auf diese Weise subtile natürliche Rhythmen bis hin zu Schlafphasen, Halbwach-Phasen hin zu jahreszeitlichen Zyklen zum Fellwechsel, etc.

  • Tageslicht hat andere Qualitäten als Tageslichtlampen

Tageslichtlampen erfüllen NICHT die gleichen Eigenschaften und Funktionen. Was viele nicht wissen, Tages- und Sonnenlicht hat eine andere Strahlungszusammensetzung als imitierte Tageslichtlampen (alle regulären Typen im Handel). Und was ebenfalls viele Leute aufgrund Ihrer visuellen Wahrnehmung unterschätzen: man bräuchte ein Vielfaches an künstlichen Tageslichtlampen, um überhaupt auf ein gleiches Lichtversorgungsniveau für ein- und demselben Raum zu kommen. Das gilt selbst für ein gedämpftes Tageslicht.

  • Natürliches Tageslicht hat andere Qualitäten als Tageslicht-Ersatzlampen

Das zeigt sich am Beispiel der Hygiene. Natürliches Sonnenlicht ist eine der besten Desinfektionsmittel aller Zeiten: natürlich, schonend, effektiv. Diese Wirkung behält es sogar durch Glasscheiben hindurch (wer helle Haut weiss, dass man selbst durch Glasscheiben schnell einen Sonnenbrand bekommen kann). Künstlichen Tageslichtlampen werden in der Hobbyzucht eingesetzt, wenn ein Fenster im Raum fehlt. D.h. es fehlt oft nicht nur natürliches Licht, sondern eine ausreichende Luftzirkulation. Um die volle Desinfektionskraft des Sonnelichts zu nutzen und gleichzeitig für eine gesunde Luftzirkulation (keine Zugluft, sondern Luftaustausch!) im Chinchillaraum zu sorgen, empfehlen Tierärzte und erfahrene Züchter einmal am Tag offene Fenster im Zuchtraum (ungefiltertes Sonnenlicht, Frischluft), zum anderen auch die Trocknung von Kotwannen, und Käfigutensilien direkt im Sonnenlicht. Will man die Funktion der Desinfektion künstlich imitieren, dann müsste man Lampen wie im Solarium einsetzen. VORSICHT: Bitte NICHT nachahmen, sonst risikieren sie noch Austrocknung und Sonnenbrad auf den Näschen ihrer Chinchilla Lieblinge!

  • Gefahren für die Gesundheit und Lebensqualität

Mangelnde Hygiene durch ein Defizit an natürlichem Sonnenlicht und Luftzirkulation konnte ich bereits als klare Krankheitsursache in Hobbyzuchten beobachten. Das wirkt sich noch drastischer bei Herden-Erkrankungen aus. Während Chinchillas in vergleichbaren Hobbyzuchten unter normalen Tageslichtbedingungen viel zügiger und schneller gesunden können, findet in solchen Haltungen, die nur mit künstlichem Tageslicht und Zeitschaltuhr ausgestattet sind und ohne Fenster für ausreichende Frischluftzirkulation, viel häufiger eine ungebremste Verbreitung der Krankheiten statt. Typisch, es treten Pilzinfektionen vermehrt auf, die bei noch säugenden Jungtieren sogar großflächige Kahlstellen auf dem Körper verursachen können. Wer sich mit Pilzbefall auskennt, der weiss was für eine immense Belastung ein Pilzbefall in diesem Ausmaß für den gesamten Organismus eines Tieres bedeutet.

Zusammenfassung:

Diese Infos legen nahe, dass eine Haltung OHNE Tageslicht oder nur mit Tageslicht-Lampen als ERSATZ keine artgerechte Haltung für Chinchillas in einer Liebhaberhaltung darstellen. Chinchillas sind wie alle Tiere an ihre natürliche Umgebung angepasst. Und dort gibt es sowohl in ihrem Bau während der Ruhephasen, als auch in der Nacht zur ihrer Hauptaktivitätszeit ein natürliches Licht. Zudem suchen Chinchillas auch in der Wildnis gezielt am Tag Flächen auf, auf denen sie Sonne tanken können.

Mehr Info dazu unter: www.chinchilla-verhalten.de -> Natur + Lebensraum (Kapitel 1) und im nächsten Abschnitt.

Weiterführende Hinweise zu Fachquellen, Studien und Belege für o.g., wie immer gerne auf Anfrage.

AUS DER FACHLITERATUR

Hier ein Einblick in die Einsichten, Überlegungen und Konsequenzen, die echte Fachleute wie Präsidenten der kanadischen Chinchilla-Zucht-Organisation beim Besuch des Nationalen Chinchilla Reservats vorgedacht haben. 

Und was geschieht, wenn die Zeitschaltuhr nachts das Licht abschaltet? Jetzt haben wir fast völlige Dunkelheit in unseren Gehegen. Dies ist nicht der Fall in der natürlichen Umgebung. Sicher, es gibt einige sehr dunkle Nächte, aber es gibt auch viel Mondlicht und das Licht der sternen klaren NÄchte. ... Fensterlose Gebäude sind insofern benachteiligt gegenüber Zuchtgebäuden mit Fenstern, die den natürlichen Lichtzyklus erfahren." An gleicher Stelle findet sich ein weiterer wichtiger Hinweis, der Chinchillas als rein nachtaktive Tiere in der Dunkelheit zusätzlich einschränkt: "Die meisten Tiere verließen ihren Unterschlupf mehrere Male am Tag, hauptsächlich für kurze Zeit am Abend und am Morgen."

Aus: CHINCHILLA POST (1993). Alle Rechte vorbehalten. Übersetzung ins Deutsche authorisiert und mit freundlicher Genehmigung seitens der Nationalen Kanadischen Fachzeitschrift zum Chinchilla, hrsg. von der NCBC in Englisch. Mit freundlicher Genehmigung für CHINCHILLA INTERNATIONAL CI

 

KELLERHALTUNG - PRIMA LÖSUNG?

Kellerhaltung an sich klingt abschreckend. Mal ehrlich, das klingt viel schlimmer noch als Aussenhaltung (immerhin leben Chinchillas ja in der Natur, Reservaten, Zoos auch draussen). Oder geht das nur mir so? Aussenhaltung lässt immerhin noch einen Berührungspunkt mit der Natur zu. Kellerhaltung hat dagegen die Aura von abgeschlossenem Raum, abgeschoben und ausgelagert aus Platzmangel oder Massentierhaltung. Tatsache ist, es gibt einige langjährige Züchter, die ihre Chinchilla Haltung in Kellerräumen haben. ABER diese erfüllen ganz bestimmte Voraussetzungen: trocken, natürliches Tageslicht, regelmässig gekalkte Wände, etc. Um es kurz zu machen: Kellerhaltung bei entsprechendem Zugang von natürlichem Tageslicht lässt sich praktizieren. Der (relative) Vorteil: Ruhe und konstant kühle Raumtemperaturen für Chinchillas.

Sinnvoll differenzieren: Rahmenbedingungen, Gesamtsituation...

Das oben Gesagte gilt für Haltungen mit GITTERKÄFIGEN. Es gilt NICHT für Zuchten mit Käfigen mit soliden Seitenwänden und Laminat-Brut-Käfige wie sie in manchen deutschen Hobbyzuchten leicht praktikabel und preisgünstig populär geworden sind. Der Grund ist ganz einfach: die bereits grundsätzlich beschränkte Lichtzufuhr in Kellerräumen (aufgrund der Tieflage) kann bei Gitterkäfigen noch ihr (relativ) bestes Potential entwickeln. D.h. das bisschen Licht, das reinkommt, kann durch alle Käfige aufgrund der Gitter durchfluten. Das ist NICHT der Fall bei Käfig Haltungen mit soliden - licht-undurchlässigen - Seitenwänden. Das ist die wahre Krux bei der Sache.

Fazit: Unter diesem Gesichtspunkt erscheint eine Kellerhaltung bei festen Käfigkonstruktionen als keine artgerechte Lösung für einen Liebhaberhaltung und ist selbst mit Fenster je nach Lichteinfall genau zu prüfen.