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Anatomische Besonderheiten der Chinchillas

ANATOMISCHE BESONDERHEITEN DER CHINCHILLAS

Auf der Basis von Prof. Dr. med. vet. Kraft
von Claudia A Mooser

 

KÖRPER UND ANATOMIE:

Was ist an Chinchillas anders als an anderen Tieren?
Was haben Chinchillas mit anderen Tieren gemeinsam?

Chinchilla Anatomie Besonderheiten  AUSSEN:

  • Grosse Sinnesorgane : Augen und Ohren
  • Tasthaare = extrem lang
  • Vorderpfoten = sehr kurz (Abstützen, Halten der Nahrung)
  • Hinterbeine = im starken Kontrast dazu groß und gut bemuskelt (Sprünge)
  • Fell = sehr dicht und fein
  • Fell = nicht wasserabweisend.

Chinchilla Anatomie Besonderheiten INNEN:

  • Ohren = kräftig entwickelte Muskulatur
  • Zähne = offene Wurzeln (sowohl bei Schneidezähnen und Backenzähnen)
  • Gehirn = groß
  • Kaumuskulatur = groß und stark
  • Unterkiefer = Bewegung nur in Längsrichtung des Schädels möglich
  • Zunge = im Vgl zu Wiederkäuerzunge flacher und rachenwärts verschoben.
  • Papillen weichen von klassicher Form ab. PK sind stark in die Länge gezogen.
  • Zungenrandorgan ist ebenfalls anders geformt als bei anderen Haustierarten
  • Analbeutel unter dem Enddarm.  So können Chins sog. Duftstoffe entleeren.
  • Schlüsselbein = Unterschiede zu Nutria und Kaninchen 
  • Gaumenstaffeln am Gaumendach = individual-speziefisch = „Fingerabdruck“ des Individuums

Magen – Darm

  • einschließlich Magen und Blinddarm 2,50 m lang.
  • Magen und Blinddarm sind verhältnismäßig groß
  • große Ähnlichkeit des Verdauungskanal und Magen von Pferd und Chinchilla

Weibchen Geschlechtsorgane

  • Chinchilla hat einen sog. Uterus duplex -> zwei Öffnungen des Muttermundes
  • Eierstöcke des Webichens kippen nicht in die sog. Eierstocktasche
  • ... sondern liegen  in der Wand der Tasche
  • Beim Chinchilla reifen stets mehrere Eizellen gleichzeitig. So können mehrere gleichzeitig befruchtet werden

Männliche Geschlechtsorgane:

  • Abstieg der Hoden aus der Nierengegend in den Hodensack ist nur unvollständig
  • Hoden bleiben in der Bauchhöhle. 
  • Nur der Nebenhoden liegt in einer Vorwölbung der Bauchdecke
  • Hodensack (Skrotum) wird beim Chinchilla nicht ausgebildet
  • pro Samenausschüttung (Ejakulation) werden ca. 0,01 – 0,2 ml ausgestoßen = ca. 120 Mio Samenzellen

Gehirn

  • Gewebselemente der Zirbeldrüse gleichen mehr der Epiphyse des Pferdes als der von Nagern.

Zur Altersbestimmung beim Chinchilla

  • M. transversus mandibulae = beim Jungtier vorhanden, aber fehlt beim Alttier

Diese Ausführungen entstanden in Anlehnung an die Erkenntnisse von Prof. Dr. med. vet. Helmut Kraft an der Universitätstierklinik München, der dortigen Forschungsgruppe Chinchillas, sowie der Zusammenarbeit mit der Fachzeitschrift CHINCHILLA POST (1956-2002).

 

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CHINCHILLA FELL - WIE FEIN IST ES WIRKLICH ?!

CHINCHILLA FELL - FEINHEIT

Auf der Basis eines Artikels in der Fachzeitschrift CHINCHILLA POST

von Claudia A Mooser

 

Wie fein ist ein Chinchilla Fellhaar ? Bereits die frühen Berichte von Joseph de Acosta (1540 - 1590 ) und Iganzio Molina (1740 - 1829 ) betonen bis in die Neuzeit die außerordentliche Feinheit des Chinchillafells.

Aber wie fein ist das Chinchilla Fell im Vergleich zu anderen Tierarten wirklich ? Der Frage wurde Anfang der 1960er Jahre von Fachleuten nachgegangen. Edmund Bickel ist im Rahmen der Fachzeitschrift CHINCHILLA POST und in Kooperation mit Fachleuten aus USA, dieser Frage auf den Grund gegangen.

Eine frühe Studie. Die Studie wurde von Herrn Werner von Bergen, stellvertretender Leiter des Zentralen Forschungslaboratoriums der seit 1813 bestehenden Weberei J. P. Stevens & Co., New Jersey, USA im Mai 1961 durchgeführt. Von Bergen galt zu der Zeit als internationale Autorität auf dem Gebiet von Textilfasern und hatte mehr als 50 wissenschaftliche Arbeiten zum Thema veröffentlicht.

Zur Untersuchung standen Haarproben beider Chinchilla Arten:

  1. der Chinchilla Lanigera (velligera)
  2. der Chinchilla Brevicaudata (Chinchilla chinchilla voliviana)

Jede Haarprobe bestand aus ca. 200 Fasern. Diese verteilten sich in ihrer Stärke wie folgt:

 


 Aus: Fachzeitschrift CHINCHILLA POST (1962).

Für einen Datenvergleich in größerem Rahmen empfahl van Bergen die Konsultation von Dr. H. E. Fröhlich, Leiter des Forschungsinstituts der Hutindustrie, e. V., Mönchengladbach, seinerseits eine Autorität auf dem Gebiet von Tierhaaren. 

Chinchilla Fellhaar im Vergleich zu anderen Tierarten

 

Aus: Fachzeitschrift CHINCHILLA POST (1962)

Das Ergebnis. Das Ergebnis aus diesen Untersuchungen ist eindeutig: Chinchilla Fellhaar ist NICHT das feinste Tierhaar auf der Welt. Zwar ist es in der Tat von beeindruckender Feinheit, liegt aber hinter jener von Angorakaninchen, Bisamratten, Nutrias und Winterhasen zurück. Das Chinchilla Fellhaar ist jedoch um ein Vielfaches feiner als unser menschliches Kopfhaar. Das sieht man bereits mit bloßem Augen auf dem folgenden Bild (auch wenn die Fotoqualität schlecht ist):
> oben: ein Menschenhaar,
> unten: ein Büschel Chinchillahaare.

 
Wir Menschen dürfen uns also nicht beschweren mit unserem groben Haarkleid, sondern können glücklich sein, so ein feines, zartes Kunstwerk der Natur, wie das Chinchillafell berühren zu dürfen.  

Interessante Details. Das besagte Forschungsinstitut führte den wunderbar weichen Griff der Chinchillas auf folgende Faktoren zurück:

  1. Chinchilla Fellkleid hat insgesamt wenig Grannenhaare
  2. die Schuppenschicht des Chinchilla Fellhaares ist dünner als bei anderen Pelztierhaar

 

Das Fazit. Die Daten stammen von Anfang der 60er Jahre und wurden am Standard Chinchilla Fellhaar erhoben. Seither hat sich die Chinchillazucht weiter entwickelt. Heute weiß man, daß bestimmte Mutationen durchschnittlich zu dünnerem Fell neigen: die sog. Dilute-Mutionen (Safir, Violett, Beige). Dies ist nicht nur von Bedeutung für die Zucht, Schönheit und Gesundheit, sondern betrifft auch die Gestaltung von Bewertungs- und Schausystemen. So wurde erst vor ein paar Jahren auf der EPVC Hauptversammlung besprochen inwieweit die Fell DICHTE mit Punkten belohnt werden soll, angesichts der Tatsache, daß dadurch Dilute-Mutionen prinzipiell benachteiligt wären. Dünneres Fellhaar => geringere Dichte, bei gleicher Anzahl von Fellhaaren. Das ist nur ein Beispiel inwieweit spezielles Fachwissen zum Chinchilla heute fortgeschritten ist. Der Mythos vom Chinchillafell als dem feinsten in der Tierwelt ist nicht weiter haltbar gewesen. Was der Schönheit des Chinchillafells wie ich finde keinerlei Abbruch tut!

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CHINCHILLA FELL - EIN WUNDER DER NATUR

Diesem Thema haben wir in der Zwischenzeit auf www.chinchillapost.com ein eigenes Kapitel gewidmet.

Mehr Information unter:
Chinchilla FELL

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SAFIR HOBBYZUCHT - PRO UND CONTRA - DILUTE MUTATIONEN

Die Mutation Safir zählt wie wir unter www.chinchilla-mutationen.de bereits ausgeführt haben, zu den sogenannten Dilute Mutationen. Neben Saphir gehören auch Beige und Violett dazu. Allerdings weist Saphir in der Gruppe der Dilutes nochmal eigens ganz speziefische Eigenschaften auf, die eine besondere Herausforderung an die Zucht bzw. die Zuchtentscheidung stellen.

Meine persönlichen Einsichten aus der Safirzucht und meine Konsequenzen:

1. Zum einen gibt es unterschiedliche Dilute-Gene und manche davon sind wissenschaftlich belegt, daß sie zusammen mit Krankheiten auftreten.

2. Zum anderen hat die Analyse der Fellhaare unter dem Mikroskop durch Empress Members gezeigt, daß die bläuliche Erscheinung bei Safir durch die speziefische Verklumpung der Aminosäuren entsteht.

Aminosäuren erfüllen im Organismus eine lebenswichtige Funktion als Eiweißbausteine und eine zentrale Bedeutung im Stoffwechsel. Gesetzt den Fall, daß die Aminosäuren nicht nur in den Fellhaaren, sondern auch in Organen verklumpen, könnte dies viel zu speziefischen Schwächen auch für Gesundheit und Lebenserwartung bei Safiren erklären. Es würde allerdings auch bedeuten, daß nur eine relative Verbesserung in der Zucht möglich wäre. Safire ohne diese Eigenschaft wären keine Safire - eine grundsätzliche Verbesserung wäre demnach nicht möglich.

Das Ganze ist hier natürlich nur primitiv vereinfacht wiedergegeben. Ich denke aber die Quintessenz wird deutlich. 

Ich gehöre zu den Vertretern dieser Theorie der speziefischen genetischen Schwäche von Safiren. Diese Einsicht verstärkte sich mit der Zeit nachdem ich auf drei Kontinenten die Safir der besten Züchter in ihren Linien und mit ihren Verwandten Standard und Standard-Safirträger intensiv verglichen habe. Und selbst die allerbesten, sauber gezogenen Safir-Linien haben speziefisch ähnliche Eigenschaften.

Eines haben alle Safire gemeinsam

Das Safir ist immer schwächer als die Eltern oder die Trägertiere unter den Geschwistern (bestenfalls gleich gut): im Knochenbau und in der Fellstärke. Diese beiden Dinge sind kontinuierlich und bereits äußerlich offensichtlich.

Lebenserwartung: mir ist kein Safir bekannt, der 15 Jahre alt wurde und damit jemals die durchschnittliche Lebenserwartung eines Standard Chinchillas erreicht hätte. Den ältesten Safir, den ich kenne saß bei mir und wurde 11 ½ alt. Das von mir ermittelte Durchschnittsalter von Safiren liegt zwischen 6 – 8 – also knapp die Hälfte der normalen Lebenserwartung eines Standard Chinchillas. Davon sterben wiederum die wenigsten an Altersschwäche, sondern z.B. an Organversagen. 

Diese Daten legen insgesamt eine genetische Veranlagung nahe und darüber hinaus sogar eine analoge Schwächung für Gesundheit / Lebenserwartung zu Knochen und Fellstruktur. Bei genauerem Hinsehen ist das nicht so verwunderlich, denn auch die Fellanalyse von Safiren bestätigt die Schwächung und Abnormität in der Verklumpung der Pigmente im Vergleich zu Standards und anderen Mutationen. Die speziefischen Eigenheiten, die einen Safir typisch bläulich machen sind abnorm. Diese Abnormität ist gebunden an eine Erscheinungsform die gesundheitliche Dysfunktionalität nahe legt.

Für mich besteht ein eindeutiger Zusammenhang. Ich habe aufgrund dieser Einsichten und aus Liebe zu den Tieren meine Safir-Zucht trotz weltweit herausragenden Tieren 2006/07 ganz bewußt beendet. Die Welt kann auch ohne Safire weiter existieren und den Tieren geht es dadurch vielleicht besser.  

Sollte es glaubwürdige Belege geben, daß sich die speziefischen Safir Schwächen nur auf das äußere Erscheinungsbild, nicht aber auf Organe, Gesundheit und Lebenserwartung auswirken, dann wäre auch für mich die Safirzucht zur Bewahrung dieser Mutation wieder von Interesse.

Fragen der Schönheit und des Geschmacks

Das Safir ist meiner Meinung nach zum einen wegen der luxuriösen Bezeichnung (Safir) und seiner relativen Seltenheit so beliebt.

Zum anderen wegen seiner typischen Eigenschaft: der Bläue. Bläue und Klarheit sind nach menschlichem Empfinden schön.

Darüber hinaus ist Bläue schwer zu züchten. Safir bringt hier schnelle Erfolge, denn Safir vererbt seine Bläue und Klarheit bereits in der ersten Generation, egal womit man es verpaart (spätestens in der zweiten Generation allerdings auch seine Fellschwäche). Bläue und Klarheit ist ein wünschenswertes Ergebnis in der Schau- Hobby- und Pelztierzucht.

Die Frage ist nur - zu welchem Preis bekommt man sie? Und ich frage mich als Züchter und Chinchilla LiebhaberIn immer - welchen Preis bezahlt das Tier für meine Wünsche?

Nicht jeder Wunsch rechtfertigt sich: z.B. Bläue auf Kosten von Lebenskraft, Gesundheit und Stärke. Jedes Lebewesen hat meiner Meinung nach ein Anrecht auf die besten Voraussetzungen für Lebensqualität als Ergebnis durch menschliche Zuchtauslese.

Das sind meine persönlichen Gedanken zum Thema. 

Blau dominiert seit jeher meine kreative Umgebung und meine Vorlieben. Die Farbe Blau fasziniert mich in der Kunst, in den Elementen, in ihrer Wirkung. Aber noch mehr als die Farbe, liebe ich die Tiere. 

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